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Entstehung und Ausbreitung des Patriarchats
Rosenkranz und Runenkranz: Der Dialog mit dem Göttlichen.
Dr. med. Berndt Rieger
Rosenkranz und Runenkranz:
Der Dialog mit dem Göttlichen.
Meditationsformen der traditionellen europäischen Medizin
 
In diesem Aufsatz stellen wir uns die Frage, wie wir in der Tradition der europäischen Medizin im Westen meditieren sollen. Die Antwort der katholischen Kirche ist klar: Das Gebet als Zwiesprache mit Gott. Von unseren germanischen Vorfahren wissen wir, dass sie in Zeiten seelischer Not Runen auf den Boden warfen, um aus ihnen zu lesen. Der wieder populärer werdende Rosenkranz (vielleicht in manchen Fällen unterstützt vom „Runenkranz“) bietet sich hier als geeignetes Hilfsmittel an, da in ihm männliche und weibliche Symbole ausgeglichen zur Geltung kommen.

Das Wesen der Krankheit
Krankheit und Gesundheit sind eigentlich nur andere Worte für Leiden und Glück. Manche Krankheiten beginnen im Körper und können die Seele nicht erreichen. Andere Krankheiten aber erfassen den ganzen Menschen, und wer dann nur den Körper zu heilen versucht, wird oft scheitern. Das war schon den Heilkünstlern der babylonisch-assyrischen Kultur vor 4000 Jahren bewusst, deren Erkenntnisse wir auf den ältesten erhaltenen Zeugnissen unserer Kultur in Keilschrift verzeichnet finden. Für sie war Krankheit das Werk von Dämonen, die dem Menschen Gottes Strafe angedeihen lassen. In der ägyptischen Heilkunst kennt man diesen Gedanken nicht, dort ist Krankheit ein Ungleichgewicht zwischen den Elementen der Natur.
 
Dass Gott uns Krankheiten schickt, wenn wir seine Gesetze missachten, war auch Lehrmeinung der christlichen Kultur, die Europa im Frühmittelalter zivilisierte. Dabei vertrieb sie die hier ansässige germanisch-keltische Kultur, deren Götter Stellvertreter für Naturgesetze sind. Daraus ergab sich eine interessante Mischung. An der Oberfläche drang die „männliche“ Ordnung des christlichen Weltbildes durch, das einen dreifaltigen männlichen Gott von männlichen Priestern verkünden lässt.
 
In der Tiefe des Glaubens nahm aber in der Abfolge der Jahrhunderte das „weibliche“ Element immer mehr zu. Verkörpert wird es von der Erdmutter, der Schöpferin allen Lebens. Ihre Feste im Jahreskreis, die das Kommen und Gehen der Sonne und der Natur feiern, sind uns heute im Wesentlichen als christliche Feste wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten und vieles andere mehr bekannt. Dass weder Christus diese Feste einführte, noch die Urkirche sie feierte, stört heute keinen mehr.
Das Maienfest als heidnisches Überbleibsel
Eindrucksvoll ist für mich übrigens immer noch die Beharrlichkeit, mit der Menschen am Land ihren Maibaum aufstellen. Dieser Kultus wird von der Kirche weitgehend ignoriert, beweist aber, dass Menschen zur Natur beten, und das außerhalb eines christlichen Rahmens. Im Besonderen gedenken Sie dabei aber nicht des 1. Mais, sondern der Nacht, die ihm vorausgeht. Einmal hieß sie Beltanenacht und die Menschen strömten zu den Hexenbergen Deutschlands, um auf ihnen den Frühling in all seiner Pracht zu feiern. Früher entzündete man auf den Bergen in der Walpurgisnacht Feuer. Heute hat sich dieser Brauch nur im alpenländischen Bereich erhalten und wird in der Osternacht begangen. Feuer aus Holz, das ist ein Sinnbild des Lichtes, das als Bewusstsein in die Welt dringt. Versteckt wird es von der Schöpfung in den Bäumen.
 
Der Rosenkranz wird aus Holzperlen verfertigt. Holz, das Material der Bäume, war den Germanen heiliger als den Christen. Wenn man sieht, wie Dorfbuben versuchen, in fremden Dörfern Maibäume zu klauen, erkennt man darin die Wut über eine historische Entwicklung, die ihnen die Walpurgisnacht geraubt hat. Bäume, die man der Rinde beraubt hat, dokumentieren die Hexenaustreibung – denn Hexen lebten immer zwischen der Rinde und dem Stamm der Bäume.
Die Kraft des Geistes als Heilkraft
Wir wollen in diesem Kapitel Meditationsformen der traditionellen europäischen Medizin suchen und damit die Seele heilen. Dazu brauchen wir einerseits den christlichen Glauben, der über zwei Jahrtausende unser Denken bestimmte und die Seele geformt hat als Ebenbild Gottes, in dessen Angesicht sie erschaffen wurde. Als Zweites aber müssen wir Mutter Natur und ihre Gesetze in diese Meditation miteinbeziehen, denn eben so sehr, wie die Erdmutter bei den Bräuchen und Festtagen ins Christentum einfließen musste, um dem Glauben Balance zu verleihen, muss sie auch in den Gebeten vorkommen.
Was ist eigentlich Beten? Im Prinzip der Versuch, an höhere Werte zu denken. Was sind höhere Werte? Das definiert jede Kultur selbst. Im Christentum bestimmt Gott, was höhere Werte sind. Jesus hat uns Beten gelehrt, und zwar das „Vaterunser“. Die Frage wäre damit beantwortet. Wenn wir über das germanische Erbe nachdenken, wissen wir relativ wenig. Soviel aber haben wir von Tacitus erfahren: Für die Germanen war die Natur göttlich und ihre Götter verbanden sich mit einzelnen Bäumen, Heilpflanzen, Tugenden und Lebensprinzipien. Aufgezeichnet wurde das offenbar in primitiven Buchstaben, die wir heute als Runen kennen. Es waren Stäbe, die von Buchen geschnitten und mit Zeichen versehen wurden. Wir wissen von Tacitus, dass man damit Prophezeiungen übte, indem man einzelne Stäbe auf den Boden warf und deutete. Das heißt, dass viele Germanen Holzstäbe mit sich führten, denen sie höhere Bedeutung beimaßen.
Die Erdmutter – Isis – Die Mutter Gottes
Wer heute als Kind in der katholischen Kirche den Rosenkranz lernt, könnte vermuten, es handle sich dabei etwas Urchristliches. Das ist ganz und gar nicht so. Über ein Jahrtausend lang gab es in der Kirche keinen Rosenkranz, diese Gebetsschnur mit einem Kreuz und 59 Perlen, bei denen 55 Perlen zu einer Kette verbunden sind. Eingeführt hat ihn der heilige Dominikus, der Gründer des Dominikanerordens, im Jahre 1208. Vorausgegangen war eine Marienerscheinung, in der ihm diese Neuerung in Form einer Vision aufgetragen wurde.
Eine kleine Abschweifung. Wir sagen „Marienerscheinung“, und das relativ gelassen. Wer ist eigentlich Maria? In der Bibel ist sie die Mutter Gottes. Direktiven, die sie den Jüngern Jesu gegeben hätte, sind nicht bekannt. Deshalb habe ich immer dann, wenn ich von Marienerscheinungen höre, große Skepsis, denn hier tritt eine allmächtige, überaus selbstbewusste Frau in Erscheinung, die wir so aus der Bibel nicht kennen. Die Tendenz in der Bibel ist eindeutig: Wenn Maria als Nachfolgerin von Jesus vorgesehen worden wäre, hätte er sie wohl dazu ernannt. Wenn es so gewesen wäre, dass Maria die Bergpredigt gehalten hätte, würde ich das, was Maria im Laufe des letzten Jahrtausends in Visionen mitgeteilt hat, gerne glauben. Oder wenn Jesu auf dem Kreuz gesagt hätte: Seht diese Frau, ab jetzt ist alles, was sie sagt, Gottes Wort. Hat er aber nicht. Dass darüber in katholischen Kreisen nicht gern gesprochen wird, wundert mich nicht. Dort nehmen zu viele den religiösen Eifer der Marienanbeter allzu gerne als Koalitionsangebot an in der Auffassung, man könne damit die Glaubensgemeinde verstärken. Ich behaupte: Die Begeisterung für die Mutter Gottes ist kein christliches Phänomen.
Wir dürfen nicht vergessen, dass unser Christentum aus einer assyrisch-babylonischen und einer ägyptischen Wurzel stammt. Erstere hat den gerechten, strafenden Gott der Bibel geschaffen, letztere führt mit Isis, der Himmelsmutter und höchsten Göttin das Vorbild der Mutter Gottes in den Glauben ein. Im Rosenkranz vermischen sich diese Elemente zu einer klassischen Gebetsform.
Wie können wir uns Marienerscheinungen in Europa erklären? In meinen Augen sind es Auftritte von Isis (in Erscheinung der sogenannten „Schwarzen Madonna“) im Bewusstsein der Menschen. Wer einmal „Der goldene Esel“ von Lucius Apuleius aus dem 2. Jahrhundert nach Christus gelesen hat, merkt schnell, dass eine überirdische Frau, die als Erscheinung auftaucht, anbetenswürdig ist, aber auch sonst noch viele Namen hat, bei den Römern zum Beispiel Ceres, die Göttin des Ackerbaus. Nachdem Apuleius den Kosmos griechischer und römischer Gottheiten in der Schule gelernt hat, verwendet er ihre Namen, um die Erscheinung zu benennen. Wenn man bedenkt, dass es im Mittelalter, aber auch später, neben der christlichen Kultur in Europa kein weiteres Wissen mehr gab, musste jeder, der ein überirdisches Erlebnis hatte, in einer königlichen Frau die Mutter Gottes erkennen. Es ist aber auch möglich, dass Überbleibsel der dort ansässigen keltischen Kultur, die der Erdmutter huldigte, Vorbildfunktion hatte. Aus diesem Gemenge ist im 12. Jahrhundert, das in Bezug auf Glaubensunsicherheit eine deutliche Parallele mit dem unsrigen aufweist, auch der Rosenkranz entstanden. Mit Maria, der Mutter Gottes, Isis und der Erdmutter tritt etwas unabdingbares Weibliches in den ansonsten klar von Männern dominierten Katholizismus, und der Rosenkranz, den sie zu beten lehrte, ist ein wie Yin und Yang ausbalanciertes Meditationshilfsmittel, in dem der christliche Glaube und heidnische Elemente etwa zu gleichen Teilen zur Geltung kommen.
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Das schenkt dem Rosenkranzbeten auch heute noch eine besondere Heilkraft. Einerseits macht er dem christlichen Menschen bewusst, woran er glaubt. Andererseits verweist er ihn auf Eigenschaften oder Tugenden, die zum Teil auch die Inhalte der 24 germanischen Runen sind, wie wir später erkennen werden. Leider wissen wir vom germanischen „Runenbeten“ sehr wenig, aber es ist unzweifelhaft, dass man die streng in das Weltsystem eingeordneten Bedeutungen, bei denen jede Rune einem Element der Natur, einem Heilkraut, einer Blume, einem Baum, einem Tier, einem Körperbereich, einem astrologischen Zeichen, einer Farbe, einer Gottheit, einem Stein oder einem Duft zugeordnet werden kann, zur Heilung von Geist und Seele einsetzen kann.
Ursprung des Rosenkranzes
Rosenkranz und Runenkranz – vielleicht ist eines in Teilen nur die christlich erlaubte Version des anderen. Angeblich sollen die frühen Rosenkränze aus Rosenhagebutten bestanden haben beziehungsweise aus Rosenholz geschnitzt worden sein. Bei der Materialwahl spielte anscheinend die Bedeutung der Rose eine Rolle. Neben der Verwendung als Duftstoff zum Parfümieren stand die Rose im spirituellen Sinne für die Transformation.
Vielleicht waren die Rosenkranzperlen ursprünglich aber auch 24 kleine Holzscheibchen, auf denen Runen eingeritzt waren. Wer sich mit ihnen beschäftigt, verlässt die Welt, in der er lebt und tritt gedanklich in das Reich der höheren Werte ein, mit denen danach auch der Alltag wieder erträglicher wird, da man ihm mit einer Haltung begegnen kann. In diesem Artikel möchte ich die beiden Heilsysteme einander gegenüber stellen und eine Kombination vorschlagen. Wir wollen als erstes kurz das Rosenkranzbeten behandeln. Es ist so bekannt, dass ich es nur im Ansatz streifen will. Wer es erlernen will, mag auf die einschlägigen Broschüren der Kirche zurückgreifen. Dazu nur soviel: Der Rosenkranz ist ein wohlüberlegtes System. Er besteht aus einer langen, zum Kreis geschlossenen Kette und einer kurzen Kette, an der ein Kreuz hängt. Dort wird begonnen, indem man zuerst das Glaubensbekenntnis ablegt. Danach wird Gott angerufen und seine männliche Dreifaltigkeit aufgezählt. Anschließend spricht man das „Vater unser“, jenes Hauptgebet, das Christus gelehrt hat, und in dem das Verhältnis zwischen Gläubigen und Gott beschrieben wird. Nun, nachdem klargestellt wurde, dass es sich hier um ein christliches Ritual handelt, tritt man in einen Kosmos ein, der im Bann der Mutter Gottes steht. Sie wird begrüßt und als Lebensspenderin gefeiert. Dieses Gebet wird unablässig wiederholt und wird einen bis zum Ende des Rosenkranzes begleiten. Zwischendurch aber werden Einschübe gemacht, bei denen am Anfang die drei Kardinaltugenden Glaube, Liebe und Hoffnung angesprochen werden. Sie sind die Grundbedingungen für jede Heilung. Die große Kette besteht aus 5 „Gesätzen“ zu je 10 Perlen. Zwischen den Gesätzen wird ein „Vater unser“ gesprochen, in den Gesätzen ein „Gegrüßet seist du Maria“ nach dem anderen, mit Einschüben, die man die „Geheimnisse“ nennt. Die Geheimnisse sind Episoden aus dem Leben Jesu Christi. Somit verzahnt sich dessen Geschichte jedes Mal mit der Frau, die Gott geboren und hervorgebracht hat. Damit entsteht eine Feier der Natur als Schöpfer nicht nur des Irdischen sondern auch Gottes in seiner menschlichen Form. Man unterscheidet freudenreiche, lichtreiche, schmerzhafte und glorreiche Geheimnisse, eine Einteilung, die an die vier Elemente der Krankheitslehre erinnert. Den freudenreichen, die Geburt und Kindheit erzählen, kann man das Wasser zuordnen, aus dem unser Leben kommt, den lichtreichen das Feuer, das auch den tatkräftigen Menschen anführt, die schmerzhaften, bei denen Leiden und Sterben geschildert werden, das Element der Erde, zu der man sterbend zurückkehrt, und die glorreichen, in denen die Auferstehung geschildert wird, das Luftige der Himmelfahrt.
Aus medizinischer Sicht ergibt sich hier eine klare meditative Struktur. Der Rosenkranz versinnbildlicht das Leben am Beispiel des Lebens Jesu Christi. Der Mensch ruht innerhalb der Elemente, die gleichwertig einander gegenüber stehen. Er richtet sich beim Übergang von einem Element zum anderen an Gott aus und kommuniziert dazwischen immer wieder mit der Natur, der Lebensspenderin. Daraus ergibt sich auch die Heilkraft des Rosenkranzbetens. Allerdings ist der Kosmos des Gebetes für heutige Begriffe etwas zu eng. Die Leidensgeschichte Christi ist vorbildhaft, das tägliche Leben kommt darin aber nur unzureichend vor. Hier können uns die germanischen Schriftzeichen, die dem Schöpfer des Rosenkranzes vielleicht als Vorbild dienten, helfen.
Der Runenkranz
Kommen wir nun also zu den Runen. Es sind Schriftzeichen, die ursprünglich offenbar aus der Gegend des heutigen Libanon oder Syrien stammen. Wann und wie sie zu den Germanen gelangt sind, ist unklar. Ähnlichkeiten mit der römischen Schrift sind auffallend. Ungewöhnlich daran ist nur, dass diese Runen von Seiten der Germanen mit Bedeutungen aufgeladen wurden, die sie als römische Buchstaben nicht haben.
Es gibt 24 Runen. Sie bilden sechs Gruppen zu je vier Bedeutungen.
In der ersten Gruppe geht es um Kraft:

FFehuKraft im Sinne von Reichtum, Fruchtbarkeit
UUruzKraft im Sinne von Ausdauer, Virilität
THThurisazKraft im Sinne von Kampfkraft, Zerstörungskraft
AAnsuzKraft im Sinne von Lebenskraft, Spiritualität, Sprachmacht

Die zweite Gruppe behandelt die Formen der Freude:

RRaidho Freude über Lebensrhythmus, Reisen
KKenazFreude über Bewusstsein, Erleuchtung
GGeboFreude über Gütergemeinschaft, Ehe
WWunjoFreude im geschlechtlichen Sinn, Wonne, Orgasmus

Die dritte Gruppe stellt den Lebenslauf dar:

HHagalazDas Leben hat einen Anfang und ein Ende
NNaudhizDas Leben ist Schicksal, aber man kann das Schicksal ändern
IIsaDas Leben kann in Stillstand und Erstarrung verharren
JJeraDas Leben verläuft in Kreisen: Jahreszeiten, Monde, etc.

In der vierten Gruppe geht es um die Aufgaben des Geistes:

EUEihwazDas Unterbewusstsein, das mit dem Bewusstsein Balance halten muss
PPerthroDie Weisheit, und wie man sie vermehrt
ZAlgizWo kommen wir her, wo gehen wir hin. Lebenskunst und Sterbenskunst
SSowiloDer Wille und die Hoffnung auf das Gelingen des Lebens, auf den Sieg

Die fünfte Gruppe behandelt die Grundregeln unseres Miteinanders:

TTiwazDie Weltordnung, das siegreiche Gesetz, das Gerechtigkeit bedingt
BBerkanaDie Macht, Leben zu schützen oder zu vernichten
EEhwazDas Eingehen von Partnerschaften; Harmonie und Einigkeit in der Ehe
MMannazJeder Mensch hat männliche, weibliche und göttliche Seiten

Die sechste Gruppe die Kräfte der Natur dar:

LLaguzDas Fließende
NGIngwazDas Reifende
ODagazDer Einfluss von Tag und Nacht
DOthalaDas Wurzeln, sich Verankern
 
So wie der Rosenkranz den christlichen Glauben in Westentaschenformat bereithält, kann man aus diesen Gruppierungen von Runen das germanische mystische Denken herauslesen. Nehmen wir dazu noch das Gebet des bereits erwähnten römischen Schriftstellers und Hexers Lucius Apuleius (124-179 n. Chr.) aus seinem Schelmenroman „Der goldene Esel“, in dem er einer „Marienerscheinung“ huldigt, und wir können uns daraus einen nichtchristlichen Runenkranz zusammenstellen. Dieser hat die Form einer Kette aus 6 Gesätzen zu je 4 Perlen, auf denen alle 24 Runen eingraviert sind. Man wechselt während des Betens von der ersten bis zur letzten Rune auf dem Weg durch die Gesätze „Kraft“, „Freude“, „Lebenslauf“, „Geist“, „Miteinander“ und „Natur“. Bei jeder Perle beginnt man mit den Worten:
Gesegnete Mutter des Himmels
du ernährst alle Früchte
Und bringst sie zur Reife
Nimm mein schweres Schicksal von mir
Und gib mir Ruhe und Frieden.
Nun spricht man das Geheimnis der Rune, z.B.
Schenk mir die Kraft, reich zu werden, und fruchtbar
Danach folgt der Absatz:
Gesegnete Mutter des Himmels
Lass mich wieder unschuldig werden
Und sorglos.
Jetzt beginnt man wieder mit „Gesegnete Mutter des Himmels“ und spricht dann das Geheimnis der nächsten Rune.
Die Geheimnisse der Rune
Kraft-Gruppe:

Schenk mir die Kraft, reich zu werden, und fruchtbar
Schenk mir die Kraft, zäh zu sein, und unbezwingbar
Schenk mir die Kraft, zu kämpfen und zu ändern
Schenk mir die Kraft, zu leben, zu fühlen, zu sprechen
Freude-Gruppe:

Schenk mir Freude über das Leben
Schenk mir Freude über Gefühle
Schenk mir Freude über den Anderen
Schenk mir die Freude der Lust
Leben-Gruppe:

Hilf mir anfangen, hilf mir ein Ende machen
Hilf mir das Schicksal zu ertragen, und es zu ändern
Hilf mir, ruhig zu werden, und wieder unruhig zu werden
Hilf mir auf dem Weg durch die Jahreszeiten
Geist-Gruppe:

Hilf mir dabei, auf innere Stimmen zu hören
Hilf mir dabei, weiterzulernen
Hilf mir dabei, einen Sinn zu finden
Hilf mir dabei, zu gewinnen
Miteinander-Gruppe:

Schenk uns Gerechtigkeit und ein siegreiches Gesetz
Schenk uns die Macht, Leben zu schützen und Leben zu nehmen
Schenke uns Einigkeit in der Partnerschaft
Schenke uns Offenheit für die Unterschiede des anderen
Natur-Gruppe:

Lass es fließen
Lass es reifen
Lass es Tag werden und Nacht werden
Sei mein Anker.
Es wäre reizvoll, Rosenkranz und Runenkranz zu kombinieren im Versuch, ein umfassendes, in der christlichen Tradition stehendes Meditationshilfsmittel zu erstellen, das auch außerreligiöse Themen mit einbezieht. Ich glaube, dass unsere germanische Wurzel sich nicht nur in einzelnen Volksbräuchen erhalten hat, sondern tief im kollektiven Unterbewusstsein unseres Volkes verankert ist. Es ist meine feste Überzeugung, dass die Verbindung des Runenkranzes mit dem Rosenkranz des christlichen Glaubens in der Meditation große Heilkraft entfalten kann.
Dr. med. Berndt Rieger © Berndt Rieger
Berndt@instantemail.t-mobile.de 5/05

siehe auch Buchbesprechung „Traditionelle Europäische Medizin“
Weiterführende Literatur:
Dr. med. Berndt Rieger: „Traditionelle Europäische Medizin“.
„Heilkunst und Rezepte der Mönche und Kräuterhexen“.
271 Seiten. Durchgehend bebildert.
München: Herbig 2005.
ISBN 3-7766-2421-3.
Weitere Infos zu diesem Thema:
http://www.berndt-rieger.de
 
 
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